07 Juni 2010
Vor gut einer Woche erreichte uns die unfassbare Nachricht, dass unser Freund und Kollege Peter "Resl" Ressmann bei einem Kletterunfall tödlich verunglückt ist.
Resl war nicht nur ein Vollblut-Alpinist - so gelang ihm u.a. 2007 die erste Skibefahrung des Mount St. Elias, der "längsten Skiabfahrt der Welt" -, sondern er war auch ein außergewöhnlicher Mensch. 2006 hatte ich das Glück, mit ihm unvergessliche Tage am Broad Peak in Pakistan zu verbringen. In meinem Buch "Broad Peak-Traum und Alptraum" beschrieb ich Resl anschließend folgendermaßen:
"Ruhig, unpretäntiös - jemand der sagte, was er dachte, tat, was er sagte, und dabei weder zu viele noch zu wenige Worte verlor."
Resl, wir werden Dich immer vermissen und niemals vergessen.
20 März 2010
http://www.nangaparbat1970.at
Es ist die im deutschsprachigen Raum am häufigsten erzählte und am schärfsten debattierte Bergsteiger-Geschichte: die Geschichte um Reinhold Messner und den Tod seines Bruders Günther 1970 am Nanga Parbat. Sie ist eine Geschichte von Widersprüchen, Kontroversen, Verdächtigungen und Schuldzuweisungen - polarisiert bis heute.
Gibt es einen Weg aus dieser Polarisierung? Einen Weg, in dem man als Autor nicht automatisch in einer der beiden Ecken Messner-Befürworter oder Messner-Gegner gedrängt wird?
Dieses Buch geht ihn.
Es hinterfragt kritisch, ohne zu moralisieren. Es betrachtet und analysiert, aber es verurteilt nicht. Denn es gibt in ihm keine Helden und Bösewichte, keine Täter und Opfer - sondern nur Menschen, die zu unterschiedlichen Teilen wohl immer auch beides sind. Es geht in diesem Buch um Nachvollziehbarkeit der Ereignisse von damals bis heute, um die Vielfalt von Stimmen dazu, um Entwicklungen und wiederkehrende Muster, und um Verständnis, denn:
"Die Umstände machen einen Menschen nicht zu dem, der er ist. Sie entblößen ihn nur." (Epiktet, griechischer Philosoph, 50-125 n.Chr.; zitiert auf S. 220)
"Die dauernd wiederholte rein moralische Empörung [...] ist ebenso selbstverständlich wie irrelevant. Empörung allein fördert weder Wissen noch Verstehen. Und Verstehen bedeutet nicht Gutheißen."
(Carolin Emcke in "Stumme Gewalt", S. 72; zitiert auf S. 219)
16 Februar 2010
Mein neues Buch erscheint Mitte März. Da es darin sehr um das Schreiben und die Wahrnehmung von Geschichte geht, ist der folgende Text, den ich kürzlich in einem Buch fand, sehr passend. Viel Spaß beim Lesen!
"Zeitungen, Magazine, Bücher sind traditionelle Informations- und Meinungsquellen. Heutzutage kommen Telefon und Computer sowie Radio und Fernsehen zu dieser Mischung hinzu. Wissen bedeutet einen Schritt weiter als Glauben. Wir werden mit Wissen bombardiert - Daten, Informationen, Meinungen, Ratschläge, etc.
Aber der Spruch 'Wissen ist Macht' ist eine weitere Ego-fütternde Illusion. Wissen allein ist unvollständig. Der weitere Schritt über Wissen hinaus ist Verstehen. Verstehen wir das, was wir wissen? Könnte es zum Beispiel sein, dass die Hälfte von dem, was wir [...] wissen, in Wirklichkeit irrelevant und nicht notwendig ist?
Verstehen braucht Zeit, alleine. Um das, was wir denken zu wissen, auseinanderzunehmen und wieder zusammenzufügen. Unsere Falle ist, in 'Wissen' das Allerseligmachende und Endgültige zu sehen. Wenn uns das Wissen, das wir haben, keine sofortige Lösung bietet, bemühen wir uns eiligst um mehr Wissen, mehr Daten, mehr Informationen. Ich schlage eine sehr entgegengesetzte, 'Gegenkultur-Alternative' vor: Wir sollten innehalten und nachdenken, um zu sehen, ob wir unser vorhandenes Wissen verstehen. [...] Logik, Analytik und Schlußfolgerung sind inzwischen fast vergessene Künste geworden. Weil wir uns nicht die Zeit nehmen, uns darin zu üben. Wir wissen viel, verstehen aber wenig. Wir werden leicht geleitet, sind leicht zu beeinflussen. Wir verbringen zu viel Zeit am Telefon und auf Nachrichtenseiten, und nicht genügend Zeit alleine, mit Nachdenken - für uns selbst.
Personen an der Spitze von Forschung sind besonders anfällig. Wissen, Meinungen und Ratschläge fließen ihnen zu. Sie müssen aktiv Zeit und Raum zum Nachdenken einfordern. Sonst kommt es zu einer regelrechten 'Überdosis' an Wissen. Die Mechanismen von Ablenkung und Desinformation beruhen darauf, eine solche Überdosis zu schaffen."
Sollte dies alles vertraut klingen und es Sie interessieren, wie dies mit (Alpin-)Geschichte zusammenhängt, freuen Sie sich auf Mitte März ...!
22 August 2009
Das beliebte deutsche Bergsteigermagazin "Alpin" kürte "Tatort Mount Everest" in seiner September- Ausgabe zum Buch des Monats. "Was will man mehr?" heißt es am Ende der Rezension über die spannende Detektivgeschichte.
Die informative englische Internetseite "Mount Everest - The British Story" veröffentlichte kürzlich ein Interview mit mir. Das vollständige Interview ist zu lesen unter
http://www.everest1953.co.uk/JochenHemmleb.php
Viel Spaß!
03 Juni 2009
Vor 10 Jahren, am 1. Mai 1999, entdeckte die von mir mitinitiierte "Mallory & Irvine Research Expedition" am Mount Everest die Leiche des 1924 verschollenen Himalaya-Pioniers George Mallory. Der Fund sorgte weltweit für Schlagzeilen und erweckte eine jahrzehntealte Debatte zu neuem Leben: Hatte Mallory gemeinsam mit seinem Partner Andrew Irvine 1924 den Gipfel des welthöchsten Berges erreicht und waren sie somit die wahren Erstbesteiger, 29 Jahre vor Hillary und Tensing?
Die Suche nach der Lösung des Rätsels um Mallory und Irvine ist eine Reise auf drei Ebenen. Da ist zunächst Mallorys und Irvines Aufstieg und die Spuren, die uns von seinem Ablauf erzählen. Dann sind es die Erfahrungen späterer Expeditionen, die Hinweise darauf geben, was Mallory und Irvine möglicherweise taten. Und schließlich mein eigenes Erleben während der Jahre der Spurensuche, das mich prägte und veränderte.
Von allen drei Reisen berichte ich in meinem neuen Buch:
Tatort Mount Everest - Der Fall Mallory
Neue Fakten und Hintergründe
- Mit exklusiven Interviews mit dem Finder der mutmaßlichen Leiche Irvines
- Mit allen Funden der Mallory & Irvine-Suchexpedition 1999, 2001 und 2004
- Mit der detailliertesten deutschsprachigen Chronik der britischen und chinesischen Expeditionen zur Everest-Nordseite 1921-1979
- Mit teilweise unveröffentlichten Fotos und Dokumenten
- Mit einem Vorwort von Gerlinde Kaltenbrunner & Ralf Dujmovits
Terra Magica, Juni 2009; 272 S., durchgehend bebildert; 17,3 x 24,5 cm, Hardcover mit SU
24,95 €
ISBN: 978-3-7243-1022-8
Weitere Informationen ab 22. Juni auf dieser Website
10 Januar 2008
Seit Anfang Januar ist "Broad Peak-Traum und Albtraum" in der 2. Auflage erhältlich. Die 2. Auflage ist um ein weiteres Kapitel über die erfolgreiche Bergung von Markus Kronthaler im Sommer 2007 erweitert.
10 April 2007
...von Maja Nielsen und Jochen Hemmleb für den DEUTSCHEN JUGENDLITERATURPREIS 2007 nominiert!
Am 23. März 2007 wurden auf der Leipziger Buchmesse die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007 bekannt gegeben. Dabei wurde "Mount Everest-Spurensuche in eisigen Höhen" von Maja Nielsen (Autorin) und Jochen Hemmleb (Fachberater) von der Kritikerjury in der Sparte Sachbuch nominiert.
NEWS: Maja Nielsen und Jochen Hemmleb gratulieren dem Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises 2007 in der Sparte Sachbuch, Brian Fries ("Mutter hat Krebs").
In der Reihe "Abenteuer & Wissen" von Maja Nielsen sind inzwischen die 12. Hörbuch-CD und der 6. Band erschienen: "Indianer - Sitting Bull, Red Cloud und ihre Erben" - denn es gibt weiterhin keinen besseren Weg, Kindern (und Erwachsenen) Wissen zu vermitteln, als ein gutes Abenteuer !
04 April 2007
Am 9. Juni 1957 gelingt vier Österreichern - Hermann Buhl, Kurt Diemberger, Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller - die sensationelle erste Besteigung des 8047 Meter hohen Broad Peak. Drei Wochen später stürzt Hermann Buhl am benachbarten Siebentausender Chogolisa tödlich ab.
Im Sommer 2006 bricht eine österreichisch-deutsche Expedition auf, den Spuren von Hermann Buhls letzter Expedition zu folgen. Einer von ihnen kehrt nicht mehr zurück...
Jochen Hemmleb verwebt die Geschichte der Erstbesteigung 1957 mit den dramatischen Ereignissen im Sommer 2006: ein fesselnder, ehrlicher Bericht über Achttausender-Expeditionen damals und heute, über Bergsteiger, ihre Mythen und Motivationen - und über den Tod eines Freundes.
DAS BUCH ZUM 50. JUBILÄUM DER BROAD PEAK-ERSTBESTEIGUNG 2007, zum 50. TODESTAG HERMANN BUHLS und zum GEDENKEN AN MARKUS KRONTHALER
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